Zellmembran: Aufbau, Fluid-Mosaik-Modell & Rezeptoren
Artikel 10. August 2026

Zellmembran: Aufbau, Fluid-Mosaik-Modell & Rezeptoren

Die Zellmembran (Plasmamembran) ist eine selektiv permeable Phospholipiddoppelschicht mit eingebetteten Proteinen, die das Zellinnere abgrenzt und den Stoffaustausch steuert. Ihr Ruhemembranpotenzial bildet das Fundament der Nervenimpulse. Das Thema wird wissenschaftlich beleuchtet und von unbegründeten alternativen Konzepten abgegrenzt.

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Zur Diagnostik

Zellmembran: Die dynamische Grenze des Lebens

1. Definition und Grundlagen (Der Einstieg)

Die Zellmembran – in der Fachsprache auch als Plasmalemma oder Plasmamembran bezeichnet – ist eine biologische Begrenzung von bemerkenswerter Komplexität. Sie bildet die äußere Hülle jeder lebenden Zelle, von einfachen Einzellern wie Archaeons und Bakterien bis hin zu den komplex aufgebauten Zellen pflanzlicher, tierischer und menschlicher Gewebe.

Die Metapher der intelligenten Zollstation

Um die Funktion der Zellmembran zu verstehen, hilft das Bild einer hochmodernen Grenz- und Zollstation eines Staates. Die Zellmembran ist keine starre Betonschutzmauer, sondern eine dynamische Kontrollzone. Sie trennt das streng regulierte innere Milieu (das Zytoplasma bzw. den Intrazellularraum) vom äußeren Milieu (dem Extrazellularraum). Wie ein intelligenter Grenzüberwachungspunkt steuert sie präzise, welche Moleküle passieren dürfen, welche im Zellinneren zurückgehalten werden und welche Stoffe aktiv abtransportiert werden müssen.

+-------------------------------------------------------------------+
|                       EXTRAZELLULÄRRAUM                           |
|      (Nährstoffe, Signalstoffe, Ionen, Abfallprodukte)            |
+-------------------------------------------------------------------+
        |                       |                       ^
        v (Passiver Import)     v (Rezeptor-Signal)     | (Aktiver Export)
+-------------------------------------------------------------------+
|                    ZELLMEMBRAN (Zollstation)                      |
|         - Phospholipiddoppelschicht (Hydrophobe Barriere)         |
|         - Transmembranproteine (Selektive Kanäle & Pumpen)        |
+-------------------------------------------------------------------+
        |                                               |
        v                                               v
+-------------------------------------------------------------------+
|                        INTRAZELLULÄRRAUM                          |
|         (Zytosol, Organellen, Strenge Homöostase)                 |
+-------------------------------------------------------------------+

Das grundlegende biologische Prinzip dieser Grenzschicht ist die selektive Permeabilität (Halbdurchlässigkeit). Wäre die Membran völlig undurchlässig, würde die Zelle rasch an ihren eigenen Stoffwechselendprodukten zugrunde gehen und mangels Nährstoffzufuhr absterben. Wäre sie hingegen für alle Stoffe frei durchlässig, würden lebensnotwendige Proteine und Ionen unkontrolliert in die Umgebung entweichen, während schädliche Substanzen ungehindert eindringen könnten. Die Zellmembran gewährleistet somit das Überleben, indem sie das innere Gleichgewicht (die Homöostase) konstant aufrechterhält.

2. Der naturwissenschaftliche Mechanismus (Die Tiefe)

Die Zellmembran misst bei eukaryotischen Zellen lediglich etwa 5 bis 10 Nanometer in der Dicke. Trotz dieser mikroskopischen Ausmaße beherbergt sie ein hochgradig entwickeltes biochemisches System.

Die Phospholipiddoppelschicht: Das chemische Fundament

Das strukturelle Rückgrat der Membran bildet die Phospholipiddoppelschicht. Phospholipide sind amphiphile (oder amphipathische) Moleküle, die zwei gegensätzliche chemische Eigenschaften in einem Molekül vereinen:

  • Ein hydrophiler (wasserliebender), polarer Kopf, der aus einer Phosphatgruppe und meist einer weiteren geladenen Gruppe (z. B. Cholin oder Ethanolamin) besteht.
  • Zwei hydrophobe (wasserabweisende), unpolare Schwänze, die aus langen Fettsäureketten aufgebaut sind.

In einer wässrigen Umgebung – wie sie im menschlichen Körper im In- und Extrazellularraum vorliegt – ordnen sich Milliarden dieser Moleküle thermodynamisch getrieben völlig spontan zu einer Doppelschicht an. Die hydrophilen Köpfe orientieren sich nach außen zum wässrigen Milieu, während sich die hydrophoben Schwänze im Inneren der Membran gegenseitig anlagern, um den Kontakt mit Wasser zu meiden.

       EXTRAMEMBRANÄRES WÄSSRIGES MILIEU (Extrazellulär)
  O     O     O     O     O     O     O     O     O  <-- Hydrophile Köpfe
  ||    ||    ||    ||    ||    ||    ||    ||    || 
  ||    ||    ||    ||    ||    ||    ||    ||    || <-- Hydrophobe Schwänze
  --------------------------------------------------   (Hydrophober Kern)
  ||    ||    ||    ||    ||    ||    ||    ||    || <-- Hydrophobe Schwänze
  O     O     O     O     O     O     O     O     O  <-- Hydrophile Köpfe
       INTRAMEMBRANÄRES WÄSSRIGES MILIEU (Intrazellulär)

Dieser unpolare Innenbereich wirkt wie eine Barriere für geladene Teilchen (Ionen) sowie für polare, wasserlösliche Moleküle (wie Glucose oder Aminosäuren). Unpolare Stoffe (z. B. Sauerstoff, Kohlendioxid oder fettlösliche Hormone) können diese Barriere hingegen verhältnismäßig leicht durchdringen.

Das Flüssig-Mosaik-Modell und die Membranfluidität

1972 formulierten S. J. Singer und G. L. Nicolson das Flüssig-Mosaik-Modell (Fluid Mosaic Model). Sie zeigten, dass die Zellmembran kein starres Gebilde ist, sondern das Verhalten einer zweidimensionalen, viskosen Flüssigkeit aufweist.

  • Lateralbewegung: Phospholipide und eingebettete Proteine können sich innerhalb ihrer Schicht seitlich bewegen.
  • Einfluss von Fettsäuren: Ungesättigte Fettsäuren mit Knicken in ihrer Struktur erhöhen die Fluidität, da sie eine enge Packung der Lipide verhindern. Gesättigte Fettsäuren machen die Membran kompakter.
  • Rolle von Cholesterin: In tierischen Zellen fungiert Cholesterin als temperaturbedingter Fluiditätspuffer. Bei höheren Temperaturen schränkt es die Bewegung der Lipide ein und stabilisiert die Membran; bei niedrigeren Temperaturen verhindert es das Erstarren der Lipidketten.

Membranproteine: Die funktionellen Bausteine

Während die Lipidschicht die physikalische Barriere darstellt, übernehmen Proteine die spezifischen physiologischen Aufgaben. Sie machen je nach Zelltyp zwischen 25 und 75 Prozent der Membranmasse aus:

  1. Integrale Proteine (inkl. Transmembranproteine): Dringen tief in die Lipidschicht ein oder durchspannen sie vollständig. Sie dienen als Kanäle, Transportproteine (Carrier) oder Rezeptoren.
  2. Periphere Proteine: Liegen der Membraninnen- oder -außenseite aufgelagert an. Sie verankern die Membran am internen Zytoskelett oder nehmen an intrazellulären Signalwegen teil.
  3. Glykoproteine und Glykolipide (Die Glykokalyx): Auf der Außenseite verknüpfte Kohlenhydratketten bilden eine Schutzzone und dienen der Zellerkennung.

Die Logistik des Stofftransports

Der Transport von Stoffen über die Zellmembran erfolgt über drei primäre Mechanismen:

+-------------------------------------------------------------------------+
|                        MEMBRANTRANSPORT-WEGE                            |
+-------------------------------------------------------------------------+
       |                                |                             |
       v                                v                             v
+------------------+          +------------------+          +------------------+
| Passiver Transport|          | Aktiver Transport|          |Vesikel-Transport |
| (Ohne ATP-Ver-   |          | (Unter ATP-Ver-  |          | (Endo-/Exozy-    |
| brauch, entlang  |          | brauch, gegen    |          | tose für große   |
| des Gradienten)  |          | den Gradienten)  |          | Frachten)        |
+------------------+          +------------------+          +------------------+
  |              |              |              |
  v              v              v              v
Einfache    Erleichterte    Primär-        Sekundär-
Diffusion   Diffusion       aktiver        aktiver
(z.B. O2)   (Kanäle/Carrier)Transport      Transport
                            (Na+/K+-Pumpe) (Na+/Glucose-Symport)
  1. Passiver Transport (kein Energieverbrauch):
    • Einfache Diffusion: Kleine, unpolare Moleküle ($O_2$, $CO_2$) wandern direkt durch die Lipidschicht entlang ihres Konzentrationsgefälles.
    • Erleichterte Diffusion: Geladene Ionen ($Na^+$, $K^+$, $Cl^-$) oder größere polare Moleküle nutzen spezifische Kanalproteine (z. B. Aquaporine für Wasser) oder Carrier-Proteine.
  2. Aktiver Transport (erfordert zelluläre Energie in Form von ATP):
    • Primär aktiver Transport: Stoffe werden unter direktem ATP-Verbrauch gegen ihr Konzentrationsgefälle gepumpt. Das bekannteste Beispiel ist die Natrium-Kalium-Pumpe ($Na^+/K^+$-ATPase), die pro gespaltenem ATP-Molekül drei $Na^+$-Ionen nach außen und zwei $K^+$-Ionen nach innen befördert.
    • Sekundär aktiver Transport: Nutzt den durch primär aktiven Transport aufgebauten Konzentrationsgradienten, um einen anderen Stoff mitzubewegen (z. B. Natrium-Glucose-Symport im Darmepithel).
  3. Vesikulärer Transport:
    • Großmolekulare Frachten, Partikel oder Flüssigkeitsmengen werden durch Endozytose (Einstülpung und Abschnürung von Membranvesikeln ins Zellinnere) aufgenommen oder durch Exozytose (Fusion intrazellulärer Vesikel mit der Zellmembran) nach außen abgegeben.

Signaltransduktion und Rezeptorfunktionen

Zellen müssen flexibel auf Umweltreize und Signale des Gesamtorganismus reagieren. Dazu tragen sie spezialisierte Rezeptorproteine auf der Außenseite. Bindet ein spezifisches Signalmolekül (Ligand, z. B. ein Hormon oder Neurotransmitter) an die Bindungsstelle des Rezeptors, löst dies eine Konformationsänderung aus. Diese überträgt das Signal ins Zellinnere, etwa über G-Proteine oder Enzymkaskaden (Signaltransduktion), ohne dass der Signalstoff selbst die Membran durchqueren muss.

3. Bedeutung für Natur, Körper und Alltag (Die Relevanz)

Die Zellmembran ist kein isoliertes Studienobjekt der Biochemie, sondern bildet das Fundament wesentlicher Körperfunktionen.

Grundlage der Nerven- und Muskelphysiologie

Jede Informationsverarbeitung im Gehirn, jede Bewegung einer Gliedmaße und jeder Herzschlag basieren auf der elektrischen Erregbarkeit von Zellmembranen.

Durch die ungleiche Verteilung von Ionen zwischen Innen- und Außenraum entsteht das Ruhemembranpotenzial. Das Zellinnere ist im Ruhezustand gegenüber dem Extrazellularraum negativ geladen (ca. -70 Millivolt).

Die Metapher des Staudamms

Das Ruhemembranpotenzial lässt sich mit einem Wasserkraftwerk an einem Staudamm vergleichen. Die Natrium-Kalium-Pumpe pumpt stetig "Wasser" (Ionen) nach oben ins Reservoir und baut damit ein elektrophysiologisches Potenzial auf. Wird ein Nervenimpuls ausgelöst, öffnen sich schlagartig "Schleusentore" (spannungsgesteuerte Natriumkanäle), und die Ionen strömen durch die Membran. Dieser plötzliche Ioneneinstrom (Depolarisation) erzeugt ein Aktionspotenzial, das als elektrisches Signal entlang der Nervenfaser weitergeleitet wird.

       STAUDAMM-METAPHER FÜR DAS RUHEMEMBRANPOTENZIAL

   [ Hohes Ionen-Reservoir Außen (+)]  <-- Extrazellularraum
   =================================  <-- ZELLMEMBRAN (Staudamm)
   [ Niedriges Potenzial Innen (-)]   <-- Intrazellularraum (-70 mV)
                    |
                    v Signal trifft ein
   [ Schleusentore öffnen sich ]       <-- Spannungsgesteuerte Kanäle
                    |
                    v 
   [ Ioneneinstrom / Aktionspotenzial ] <-- Signalweiterleitung im Nerv

Immunsystem und Zellerkennung

Die auf der Außenseite der Zellmembran befindliche Glykokalyx fungiert als molekularer Personalausweis. Das Immunsystem nutzt diese Oberflächenstrukturen, um zwischen körpereigenen, gesunden Zellen und Fremdkörpern (Bakterien, Viren) oder veränderten Zellen (z. B. Tumorzellen) zu unterscheiden. Auch die AB0-Blutgruppenmerkmale basieren auf spezifischen Kohlenhydratstrukturen von Glykolipiden auf der Membran der roten Blutkörperchen.

Pharmakologie: Zielstruktur moderner Arzneimittel

Ein Großteil aller klinisch eingesetzten Medikamente entfaltet seine Wirkung direkt an den Proteinen der Zellmembran:

  • Betablocker: Besetzen Membranrezeptoren am Herzen und schützen es vor einer Überstimulation durch Stresshormone.
  • Lokalanästhetika (z. B. Lidocain): Blockieren temporär die Natriumkanäle in den Membranen von Schmerznerven, sodass Schmerzsignale nicht an das Gehirn weitergeleitet werden.
  • Protonenpumpenhemmer: Blockieren die Ionenpumpen in den Membranen der Belegzellen des Magens, um die Säureproduktion zu senken.

4. Häufige Missverständnisse und Halbwissen (Die Aufklärung)

In der allgemeinen Gesundheitskommunikation existieren einige hartnäckige Fehlinformationen über die Zellmembran, die auf vereinfachten Vorstellungen beruhen.

Missverständnis 1: "Die Zellmembran ist eine starre Hülle"

Oft wird die Zellmembran zeichnerisch wie eine feste Hülle oder Ballonhaut dargestellt. In der Realität ist sie dynamisch und biegsam. Ihre Lipidbestandteile bewegen sich ständig. Diese Flexibilität ermöglicht es Zellen, ihre Form zu verändern, sich durch enge Kapillaren zu bewegen oder Vesikel abzuschnüren.

Missverständnis 2: "Zellmembran und Zellwand sind identisch"

In Alltagssprachen werden die Begriffe "Zellmembran" und "Zellwand" fälschlicherweise oft synonym gebraucht. Es handelt sich jedoch um unterschiedliche Strukturen:

  • Zellwand: Eine feste, stützende Außenschicht aus Cellulose (bei Pflanzen), Chitin (bei Pilzen) oder Murein (bei Bakterien). Sie verleiht Formstabilität und schützt vor dem Platzen durch osmotischen Druck.
  • Zellmembran: Die flexible, selektiv permeable Lipidschicht, die in allen Zellen vorhanden ist.
  • Wichtig für die Humanbiologie: Menschliche und tierische Zellen besitzen keine Zellwand, sondern ausschließlich eine Zellmembran.

Missverständnis 3: "Stoffe fließen durch offene Löcher in der Membran"

Transportkanäle in der Membran sind keine unselektiven Löcher. Sie besitzen hochspezifische Filtermechanismen. So weist beispielsweise der Kaliumkanal eine Molekularstruktur auf, die exakt auf den Ionendurchmesser und die Hydratationshülle von Kaliumionen abgestimmt ist, während das kleiner geladene Natriumion den Kanal kaum passieren kann.

5. Wissenschaftliche Einordnung alternativer Konzepte (YMYL & Abgrenzung)

In der alternativen Gesundheitsbranche werden komplexe zellbiologische Begriffe gelegentlich genutzt, um Wirkungsversprechen wissenschaftlich klingen zu lassen. Für Betroffene und gesundheitsinteressierte Menschen ist es oft schwierig, zwischen etablierten physiologischen Fakten und unbelegten Hypothesen zu unterscheiden. Der Wunsch nach verständlichen Erklärungen für gesundheitliche Beschwerden ist verständlich, bedarf jedoch einer sachlichen und evidenzbasierten Einordnung.

Die These der "gestörten Membranspannung" und Frequenzanwendungen

Verschiedene Anbieter im Bereich der Alternativmedizin (z. B. im Kontext von Bioresonanz- oder Frequenzgeräten) behaupten, dass chronische Erkrankungen oder Müdigkeit auf eine "abgefallene Zellmembranspannung" zurückzuführen seien. Durch äußere elektrische Impulse, Magnetfelder oder Frequenz-Pflaster solle diese Spannung angeblich wieder auf ein "optimales Niveau" angehoben werden.

Physiologische Einordnung:

Das elektrische Ruhemembranpotenzial einer Zelle ist das Ergebnis aktiver Stoffwechselprozesse. Es wird kontinuierlich durch den Verbrauch von biochemischer Energie (ATP) über Ionenpumpen wie die $Na^+/K^+$-ATPase aufrechterhalten.

  • Ein dauerhafter Zusammenbruch des Membranpotenzials tritt in der Medizin bei schwerem Sauerstoffmangel oder Zelltod (Nekrose) auf – dies ist ein schwerwiegender medizinischer Zustand, der einer akutmedizinischen Behandlung bedarf.
  • Äußere schwache elektromagnetische Felder oder Pflaster ohne Wirkstoffe besitzen keinen nachgewiesenen physikalischen oder biologischen Mechanismus, um gezielt Ionen gegen Konzentrationsgefälle durch die Membran zu transportieren oder Membranpotenziale dauerhaft zu regulieren. Etablierte wissenschaftliche Studien zeigen für entsprechende Frequenztherapien keine Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus.

Konzepte zum "zellulären Detox" und "Entschlackung"

Ein weiteres populäres Konzept betrifft Behauptungen, wonach Membranen oder "Poren" der Zellen durch undefinierte Stoffwechselprodukte ("Schlacken") verstopft seien und durch spezielle Tees, Basenbäder oder Nahrungsergänzungsmittel "gereinigt" werden müssten.

Physiologische Einordnung:

Der Begriff "Schlacken" existiert in der wissenschaftlichen Physiologie und Medizin nicht.

  • Stoffwechselendprodukte werden in Zellen nicht an der Membran angelagert oder "verstopfen" diese.
  • Der Abtransport und Abbau von Abbauprodukten erfolgt über hochspezifische körpereigene Systeme: intrazellulär über Lysosomen und Autophagie-Prozesse sowie organübergreifend über Leber, Nieren, Lunge und das Lymphsystem.
  • Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass spezielle Freispül-Produkte die Transportfunktion von Membranproteinen verbessern oder Membranen reinigen können.

Interpretationen im Kontext der Epigenetik

Gelegentlich werden auch Erkenntnisse der Membranforschung und Epigenetik vereinfacht dargestellt, um zu behaupten, dass reine Gedankenkräfte über Membranrezeptoren die DNA direkt umprogrammieren und schwere körperliche Erkrankungen allein durch mentale Einstellung geheilt werden könnten.

Physiologische Einordnung:

Rezeptoren in der Zellmembran reagieren auf spezifische chemische und physikalische Reize (z. B. Hormone, Neurotransmitter, Lichtsignale). Zwar beeinflussen psychische Zustände über das Nerven- und Endokrinsystem (z. B. Stresshormone wie Cortisol) Stoffwechselprozesse und Rezeptorantworten im Körper. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Membranrezeptoren direkte Empfänger für metaphysische Gedankenimpulse sind. Eine Vereinfachung dieser komplexen Zusammenhänge birgt das Risiko, dass erkrankte Menschen die Verantwortung für schwere organische Leiden fälschlicherweise bei ihrer eigenen Denkweise suchen.

6. Faszination Wissenschaft (Der Wow-Effekt)

Die naturwissenschaftliche Erforschung der Zellmembran zeigt, welche erstaunlichen Mechanismen die Evolution hervorgebracht hat.

Ursprung des Lebens: Die ersten Membranen

Bevor komplexe Genetik oder Stoffwechselwege entstanden, benötigte das frühe Leben eine Abgrenzung zur Umwelt. Experimente der präbiotischen Chemie zeigen, dass sich aus einfachen Fettsäuren unter den Bedingungen der Urerde (oder gar auf Meteoriten) spontan kleine Membranbläschen – sogenannte Liposomen – bilden können. Diese Urmembranen ermöglichten es, Moleküle im Inneren anzureichern und so den Grundstein für die ersten zellulären Lebensformen zu legen.

Synthetische Biologie und Nanomedizin

In der modernen medizinischen Forschung spielen synthetische Zellmembranen eine Schlüsselrolle:

  • Liposomale Medikamententräger: Wirkstoffe (z. B. in der Krebstherapie oder bei mRNA-Impfstoffen) werden in künstliche Lipid-Doppelschichten verpackt. Dadurch können sie im Körper geschützt transportiert und gezielt an ihr Zielgewebe abgegeben werden.
  • DNA-Origami: Biophysiker nutzen gefaltete DNA-Stränge, um künstliche Nanokanäle herzustellen, die in Membranen eingesetzt werden können, um den Molekültransport präzise zu steuern.

Höchstleistung im Dauerbetrieb

Die Natrium-Kalium-Pumpen in den Zellmembranen unseres Gehirns arbeiten ununterbrochen. Etwa zwei Drittel des gesamten ATP-Verbrauchs einer Nervenzelle werden ausschließlich dafür aufgewendet, Ionen über die Zellmembran zu pumpen. Diese gewaltige metabolische Leistung stellt sicher, dass unser Nervensystem zu jedem Zeitpunkt betriebsbereit bleibt.

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Quellen & Publikationen

  • E. Ernst.(2019).Alternative Medicine: A Critical Assessment of 150 Modalities.Springer. ISBN: 978-3030126001. Grund für Verlinkung: Das Buch liefert die wissenschaftliche Bewertung alternativer Behandlungskonzepte und untermauert die kritische Einordnung von Bioresonanz- und Frequenztherapien. Es belegt, dass für Behauptungen einer Modulation der Membranspannung oder eines zellulären Detox keine Wirksamkeit nachgewiesen ist, die über den Placebo-Effekt hinausgeht.
  • N. A. Campbell, L. A. Urry, M. L. Cain, S. A. Wasserman, P. V. Minorsky, J. B. Reece.(2020).Campbell Biologie.Pearson Deutschland GmbH. ISBN: 978-3868944518. Grund für Verlinkung: Das Lehrbuch belegt die grundlegenden Konzepte der Zellstruktur, der selektiven Permeabilität sowie des differenzierten Stofftransports via Vesikel (Endo- und Exozytose). Darüber hinaus dient es als Referenz für den strukturellen Unterschied zwischen zellwandlosen menschlichen Zellen und zellwandtragenden Pflanzen-, Pilz- oder Bakterienzellen.
  • Nelson, D. L., & Cox, M. M..(2017).Lehninger Principles of Biochemistry.W. H. Freeman and Company. ISBN: 978-1464126116. Grund für Verlinkung: Diese Publikation dient als Beleg für die biophysikalischen Eigenschaften der Membranlipide und Rezeptorproteine sowie die Abläufe der intrazellulären Signaltransduktion über G-Proteine. Zudem untermauert sie die biochemischen Grundlagen von Transportsystemen und den ATP-Verbrauch bei der Aufrechterhaltung von Konzentrationsgradienten.
  • Alberts, B. et al..(2014).Molecular Biology of the Cell.Garland Science. ISBN: 978-0815344322. Grund für Verlinkung: Die Quelle belegt die molekulare Struktur der Zellmembran mit einer Dicke von 5 bis 10 nm sowie die Proteinanteile von 25 bis 75 Prozent der Membranmasse. Sie dient als Nachweis für die Mechanismen des passiven und aktiven Transports, wie der Natrium-Kalium-Pumpe (3 Na+ nach außen, 2 K+ nach innen), sowie für das Ruhemembranpotenzial von ca. -70 mV.
  • S. J. Singer, G. L. Nicolson.(1972).The fluid mosaic model of the structure of cell membranes.Science. DOI: 10.1126/science.175.4023.720. PMID: 4333397. Grund für Verlinkung: Die Studie belegt das 1972 formulierte Flüssig-Mosaik-Modell (Fluid Mosaic Model), welches die Zellmembran als zweidimensionale, viskose Flüssigkeit beschreibt. Sie erklärt die Lateralbewegung von Lipiden und Proteinen sowie den Einfluss von Fettsäurestrukturen und Cholesterin auf die Membranfluidität.

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