Stoffwechsel (Metabolismus): Biochemie, Funktionen & Aufklärung
Artikel 10. August 2026

Stoffwechsel (Metabolismus): Biochemie, Funktionen & Aufklärung

Der Stoffwechsel (Metabolismus) umfasst alle chemischen Prozesse zum Aufbau (Anabolismus), Abbau (Katabolismus) und Erhalt biologischer Strukturen. Über Glykolyse, Citratzyklus und die zelluläre Atmungskette wird ATP erzeugt. Die moderne Wissenschaft bietet hierzu fundierte Erklärungen, die verbreitete Fehlannahmen wie einen "eingeschlafenen Stoffwechsel" oder angenommene "Schlacken" in ein objektives Licht rücken.

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Stoffwechsel (Metabolismus)

1. Definition und Grundlagen: Die unsichtbare Infrastruktur des Lebens

Wenn im Alltag vom „Stoffwechsel“ die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an die Verdauung oder an die Regulation des Körpergewichts. Dies ist angesichts der allgegenwärtigen Themen wie Diäten und Gesundheitsoptimierung sehr verständlich. Die wissenschaftliche Definition des Stoffwechsels – in der Fachsprache Metabolismus genannt – ist jedoch deutlich umfassender und tiefgreifender. Der Stoffwechsel ist nicht lediglich ein isolierter Vorgang im Magen-Darm-Trakt, sondern die Gesamtheit aller lebensnotwendigen, hochkomplexen biochemischen Prozesse, die in jedem winzigen Augenblick in den Milliarden Zellen eines Lebewesens ablaufen.

Ohne den Stoffwechsel gäbe es kein Leben, wie wir es kennen. Er ist der unsichtbare Motor, der aus der Nahrung und dem Sauerstoff aus der Luft biologische Aktivität und körperliche Struktur erschafft. Genauer gesagt umfasst der Metabolismus alle chemischen Reaktionen, die dem Aufbau und Erhalt der zellulären Körpersubstanz, der kontinuierlichen Energiegewinnung sowie dem Abbau und der sicheren Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten dienen.

Um dieses gigantische biochemische Netzwerk greifbar zu machen, unterteilt die Wissenschaft den Metabolismus in zwei entgegengesetzte, aber perfekt ineinandergreifende Hauptprozesse: den Katabolismus (Abbaustoffwechsel) und den Anabolismus (Aufbaustoffwechsel). Beide befinden sich in einem dynamischen Fließgleichgewicht (Steady State).

Die Metapher des Baugerüsts

Man kann sich den Stoffwechsel wie eine gigantische, niemals stillstehende Baustelle vorstellen.

  • Der Katabolismus (Abriss und Energiegewinnung): Alte Gebäude oder angelieferte, sperrige Rohstoffe (unsere Nahrung wie Kohlenhydrate, Proteine und Fette) werden in ihre grundlegenden Bausteine (Zucker, Aminosäuren, Fettsäuren) zerlegt. Dabei wird Energie freigesetzt – so als würde beim Abriss wertvoller Treibstoff für die Baumaschinen gewonnen.
  • Der Anabolismus (Neubau): Mit genau diesen gewonnenen Bausteinen und der freigesetzten Energie errichten die Arbeiter (unsere Zellen und Enzyme) neue, exakt auf den aktuellen Bedarf zugeschnittene Gebäude – zum Beispiel neue Muskelzellen, Hormone oder Immunzellen.
       [ Komplexe Nahrungsmoleküle ]
                   |
                   v
 ---------------------------------------
| KATABOLISMUS (Abbau)                  |
| - Zerlegung in einfache Bausteine     |
| - FREISETZUNG von Energie (ATP)       |
 ---------------------------------------
                   |
                   v
       [ Einfache Zellbausteine ]
       [ & freigesetzte Energie ]
                   |
                   v
 ---------------------------------------
| ANABOLISMUS (Aufbau)                  |
| - Nutzung der Bausteine               |
| - VERBRAUCH von Energie (ATP)         |
| - Synthese neuer Zellstrukturen       |
 ---------------------------------------
                   |
                   v
       [ Körpereigene Strukturen ]
       (Muskeln, Enzyme, Gewebe)

2. Der naturwissenschaftliche Mechanismus: ATP, Zellen und Enzyme

Auf zellulärer Ebene betrachtet, ist der Stoffwechsel ein faszinierendes Netzwerk aus Tausenden von enzymatisch gesteuerten chemischen Reaktionen, den sogenannten Stoffwechselwegen (Metabolic Pathways). Diese Wege sind oft zyklisch aufgebaut, verästeln sich vielfach und münden in Kaskaden, wobei das Endprodukt einer chemischen Reaktion sofort als Ausgangsstoff für die nächste dient.

Das universelle „Geld“ oder der „Akku“ dieses zellulären Wirtschaftssystems ist das Molekül ATP (Adenosintriphosphat). Wann immer eine Zelle Energie benötigt – sei es für die Muskelkontraktion, das Denken oder die Reparatur von Gewebe – greift sie auf ATP zurück. Die Bindungen zwischen den Phosphatgruppen im ATP sind energiereich. Spaltet ein Enzym eine Phosphatgruppe ab (ATP wird zu ADP), wird exakt die Menge an Energie frei, die für die zelluläre Arbeit benötigt wird. Später wird das ADP unter Energieaufwand (aus der Nahrung) wieder zu ATP „aufgeladen“.

         [ ATP ]  (Voll geladener Akku - 3 Phosphatgruppen)
        /       \
       /         \
  Energie für     Energie aus der
  Zellarbeit      Nahrung wird
  wird genutzt    zugeführt
       \         /
        \       /
         v     ^
  [ ADP + P ] (Leerer Akku - 2 Phosphatgruppen)

Der wichtigste Weg zur Herstellung von ATP ist die Zellatmung, die in den Mitochondrien – den "Kraftwerken" der Zelle – stattfindet. Sie gliedert sich in drei elegante Schritte:

  1. Die Glykolyse: Im Zytoplasma wird Glukose (Traubenzucker) ohne Sauerstoff in zwei Pyruvat-Moleküle zerlegt. Das liefert eine kleine, aber sehr schnelle Menge an ATP.
  2. Der Citratzyklus (Krebs-Zyklus): Im Inneren der Mitochondrien wird das Pyruvat unter Sauerstoffbeteiligung schrittweise umgebaut. Dabei wird Kohlendioxid (das wir ausatmen) abgespalten und energiereiche Elektronen werden auf spezielle Trägermoleküle geladen.
  3. Die Atmungskette (Oxidative Phosphorylierung): Hier entfaltet der Stoffwechsel sein volles Potenzial. Die Trägermoleküle geben ihre Elektronen an Proteinkomplexe in der Mitochondrienmembran ab. Die Energie dieser Elektronen pumpt Protonen durch die Membran, was einen Druck aufbaut (ähnlich einem Staudamm). Wenn die Protonen durch das Enzym ATP-Synthase zurückströmen, wird massenhaft ATP erzeugt. Sauerstoff dient am Ende als sicherer "Auffangbehälter" für die Elektronen und bildet mit Protonen harmlosem Wasser.
             DIE ZELLATMUNG (Das Kraftwerk der Zelle)

[Glukose] (Nahrungsenergie)
    |
    v (1. Glykolyse im Zellplasma) 
    |---> (geringer ATP-Gewinn)
    |
 [Pyruvat]
    | (Transport in das Mitochondrium)
    v
(2. Citratzyklus) 
    |---> (Kohlendioxid CO2 wird abgeatmet)
    |---> (Beladung der Elektronen-Träger NADH/FADH2)
    |
    v
(3. Atmungskette)
    |---> (Sauerstoff O2 wird verbraucht)
    |---> (Wasser H2O entsteht)
    v
[ SEHR VIEL ATP ] (ca. 30-32 ATP pro Glukosemolekül)

Die Steuerung dieser Abläufe ist ein kybernetisches Meisterwerk. Enzyme – hochspezialisierte Eiweiße – dienen als Katalysatoren und ermöglichen chemische Reaktionen, die andernfalls Jahre dauern würden, in Millisekunden. Auf der Ebene des Gesamtorganismus wird alles von Hormonen koordiniert: Insulin hilft beim Aufbau von Speichern (anabol), während Glukagon und Adrenalin bei Bedarf Energie aus den Speichern freisetzen (katabol). Die Schilddrüsenhormone bestimmen das grundlegende Tempo dieses Systems.

3. Die Leber – Das zentrale Chemielabor des Körpers

Ein vollständiges Bild des Stoffwechsels ist ohne die Erwähnung der Leber unmöglich. Sie ist das mit Abstand wichtigste und aktivste Stoffwechselorgan des Menschen. Alles, was aus dem Darm in den Blutkreislauf aufgenommen wird, passiert zunächst über die Pfortader die Leber.

Die Leber fungiert als intelligenter Filter, Zwischenspeicher und biochemischer Umwandler:

  • Sie speichert überschüssige Glukose in Form von Glykogen und gibt sie in Hungerphasen wieder in das Blut ab, um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten.
  • Sie synthetisiert lebenswichtige Bluteiweiße, Gerinnungsfaktoren und Cholesterin.
  • Sie ist das primäre Organ zur Entgiftung: Sie baut Medikamente, Alkohol und körpereigene Abbauprodukte (wie das beim Eiweißabbau entstehende toxische Ammoniak) zu harmlosen Substanzen (wie Harnstoff) um, die dann über die Nieren ausgeschieden werden können.

4. Bedeutung für den Alltag: Energiebilanz und metabolische Flexibilität

Im täglichen Leben spüren wir unseren Stoffwechsel primär über unseren Energiebedarf. Der gesamte Energieverbrauch eines Menschen setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  1. Der Grundumsatz (Basal Metabolic Rate, BMR): Dies ist die Energie, die der Körper bei völliger Ruhe benötigt, um alle lebenswichtigen Funktionen (Herzschlag, Atmung, Gehirnaktivität, Körpertemperatur) aufrechtzuerhalten. Er macht mit etwa 60 bis 75 Prozent den größten Teil unseres Energieverbrauchs aus. Da Muskeln auch in Ruhe mehr Energie verbrauchen als Fettgewebe, haben muskulösere Menschen einen höheren Grundumsatz.
  2. Die nahrungsinduzierte Thermogenese: Die Verdauung, Aufnahme und Speicherung von Nährstoffen kostet Energie. Vor allem bei Proteinen wendet der Körper einen relevanten Teil der aufgenommenen Kalorien für deren Verwertung auf.
  3. Der Leistungsumsatz (Active Metabolic Rate, AMR): Dies ist die variabelste Komponente. Sie umfasst jede Form von körperlicher Bewegung – von alltäglichen Tätigkeiten bis hin zu intensivem Sport.

Ein gesundes Stoffwechselsystem zeichnet sich durch metabolische Flexibilität aus. Das bedeutet, dass der Körper reibungslos zwischen verschiedenen Energiequellen wechseln kann. Nach einer Mahlzeit nutzt er Glukose aus den Kohlenhydraten. Wenn wir fasten oder schlafen, stellt er auf die Verbrennung von Fettsäuren um, um unsere Energiereserven zu nutzen. Verliert der Körper durch dauerhafte Überernährung und Bewegungsmangel diese Flexibilität, kann dies Vorstufen für Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes Typ 2 begünstigen.

5. Häufige Missverständnisse respektvoll eingeordnet

Rund um den menschlichen Stoffwechsel existieren in der Öffentlichkeit zahlreiche vereinfachte Vorstellungen und Missverständnisse. Oftmals entspringen diese dem verständlichen Wunsch nach einfachen Lösungen für die komplexe Herausforderung der Gewichtsregulation. Eine wissenschaftliche Einordnung hilft dabei, Frustrationen zu vermeiden und ein gesundes Verständnis für den eigenen Körper zu entwickeln.

Mythos 1: "Mein Stoffwechsel ist eingeschlafen, weshalb ich nicht abnehmen kann." Viele Menschen, die Schwierigkeiten beim Abnehmen haben, vermuten, ihr Stoffwechsel sei „kaputt“ oder arbeite extrem verlangsamt. Aus medizinischer Sicht funktioniert der Stoffwechsel jedoch bei den allermeisten Menschen regelrecht nach den physikalischen Gesetzen der Thermodynamik. Tatsächlich verbraucht ein größerer oder schwererer Körper sogar absolut mehr Energie, da mehr Körpermasse (einschließlich Organe und Stützmuskulatur) versorgt werden muss. Wenn das Gewicht trotz subjektiv geringer Nahrungsaufnahme stagniert, liegt dies oft daran, dass kleine Snacks unbewusst nicht mitgezählt werden oder der durch die reduzierte Körpermasse leicht gesunkene Grundumsatz überschätzt wird. Es gibt allerdings bestimmte Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, die den Stoffwechsel messbar beeinflussen können und ärztlich abgeklärt werden sollten.

Mythos 2: Der "Hungerstoffwechsel" (Starvation Mode) blockiert jede Abnahme. Die Sorge, der Körper würde bei einer Diät den Stoffwechsel so stark drosseln, dass man sofort wieder zunimmt, ist weit verbreitet. Zwar passt sich der Körper an ein Kaloriendefizit an (metabolische Adaption) – etwa indem wir uns unbewusst weniger bewegen (NEAT) und weil ein leichterer Körper weniger Energie verbraucht. Dennoch führt ein tatsächliches Kaloriendefizit immer zu einer Gewichtsabnahme. Wäre der Stoffwechsel in der Lage, Energie aus dem Nichts zu erschaffen, würde dies Naturgesetze außer Kraft setzen.

Mythos 3: Spezifische Lebensmittel als "Stoffwechsel-Booster". In Ratgebern finden sich häufig Empfehlungen, man könne den Stoffwechsel durch Chili, grünen Tee oder Apfelessig massiv "ankurbeln". Klinische Studien zeigen zwar, dass Inhaltsstoffe wie Capsaicin oder Koffein den Energieumsatz kurzzeitig minimal erhöhen können. Dieser Effekt bewegt sich jedoch meist im Bereich weniger Kilokalorien pro Tag und hat isoliert betrachtet keinen spürbaren Einfluss auf das Körpergewicht.

Mythos 4: "Abends essen setzt stärker an." Das menschliche Verdauungssystem verfügt über keine innere Uhr, die ab einer bestimmten Uhrzeit die Arbeit einstellt. Für die Gewichtsregulation ist fast ausschließlich die über einen längeren Zeitraum summierte Gesamtenergiebilanz entscheidend, nicht der konkrete Zeitpunkt der Mahlzeit. Dennoch schlafen einige Menschen besser, wenn sie abends nicht zu schwer essen, was indirekt die Gesundheit und das Wohlbefinden fördert.

6. Einordnung alternativer Konzepte (YMYL-Richtlinien)

Da Stoffwechselprozesse tief im Körper verborgen und hochkomplex sind, gibt es auf dem Gesundheitsmarkt viele alternative Erklärungsmodelle. Bei einigen dieser Konzepte ist es wichtig, sie objektiv und wissenschaftlich einzuordnen, um informierte gesundheitliche Entscheidungen treffen zu können.

Das Konzept der "Schlacken" und "Detox-Kuren" Ein historisch verständliches, aber in der modernen Medizin nicht mehr angewandtes Konzept ist die Annahme, der Körper würde Schadstoffe und Abfallprodukte (oft als "Schlacken" bezeichnet) im Bindegewebe oder im Darm anlagern. Hieraus resultieren unzählige Empfehlungen für Entgiftungskuren, Fastenretreats oder sogenannte Detox-Produkte. Die wissenschaftliche Einordnung: Aus Sicht der modernen Physiologie gibt es im menschlichen Körper keine "Schlacken" im Sinne von schädlichen, festen Ablagerungen aus der Nahrung. Ein gesunder Organismus verfügt über ein hochkomplexes, perfektioniertes eigenes Reinigungssystem. Leber, Nieren, Lunge und Haut arbeiten ununterbrochen daran, tatsächliche Stoffwechselendprodukte (wie Harnstoff oder Kohlendioxid) abzubauen und sicher auszuscheiden. Wissenschaftlich fundierte Belege für einen messbaren Zusatznutzen kommerzieller Detox-Kuren fehlen bislang. Stattdessen sind sie für den Anwender oft mit unnötig hohen Kosten verbunden.

Stoffwechselkuren und "Umprogrammierung" Es existieren Diätprogramme (wie die hCG-Diät), die Betroffenen versprechen, durch spezielle Nahrungsergänzungsmittel oder Globuli in Kombination mit einer sehr strengen Diät den Stoffwechsel „neu zu programmieren“. Die wissenschaftliche Einordnung: Ein Gewichtsverlust bei solchen Kuren resultiert aus naturwissenschaftlicher Sicht ausschließlich aus dem oft extremen Kaloriendefizit (teilweise nur 500 kcal pro Tag). Ein solch drastisches Defizit kann ohne ärztliche Begleitung Risiken wie Nährstoffmangel oder Muskelabbau bergen. Die zusätzlich eingenommenen Präparate weisen in seriösen, placebokontrollierten Studien keine darüber hinausgehende pharmakologische Wirkung auf. Der menschliche Stoffwechsel wird von Genetik und Hormonen gesteuert und kann nicht durch Tropfen "umprogrammiert" werden. Solche Angebote nutzen oft wissenschaftlich klingende Fachbegriffe, ohne dass diese durch eine faktische Grundlage im medizinischen Konsens gedeckt wären.

Das Konzept der Übersäuerung Ein weiteres alternatives Modell postuliert, dass bestimmte säurebildende Lebensmittel (wie Fleisch oder Zucker) den Körper „übersäuern“ und dies chronische Krankheiten auslöse. Dem solle mit basischen Pulvern entgegengewirkt werden. Die wissenschaftliche Einordnung: Der menschliche Körper verfügt über extrem leistungsfähige sogenannte Blutpuffersysteme. Die Lunge (durch die Atmung) und die Nieren regulieren den pH-Wert des Blutes permanent und präzise in einem sehr engen Korridor (pH 7,35 bis 7,45). Eine gesunde Ernährung kann keinen nennenswerten Einfluss auf diesen pH-Wert im Blut ausüben. Kommt es dennoch zu einer starken Übersäuerung (Azidose), handelt es sich in der Regel um einen akuten medizinischen Notfall (etwa bei unentdecktem Diabetes Typ 1), der notärztlicher Behandlung bedarf.

7. Die wahre Faszination der Wissenschaft

Wer die Eleganz der Biochemie einmal verstanden hat, wird erkennen, dass die Realität der natürlichen Mechanismen unendlich viel faszinierender ist als die meisten vereinfachten Modelle. Der Stoffwechsel ist das Meisterstück der Evolution.

Um dies zu begreifen, lohnt ein Blick auf die Extreme der Natur:

  • An Hydrothermalen Quellen tief im Ozean gibt es kein Sonnenlicht für die Photosynthese. Stattdessen nutzen Bakterien die Chemosynthese: Sie wandeln vulkanische Gase in organische Verbindungen um und bilden die Basis für ein ganzes Ökosystem in absoluter Dunkelheit.
  • Der winzige Kolibri hat einen so schnellen Metabolismus, dass sein Herz über tausendmal pro Minute schlägt. Um nachts nicht zu verhungern, senkt er seinen Stoffwechsel in eine Erstarrung (Torpor) ab, bei der seine Körpertemperatur dramatisch fällt.
  • Die absoluten Überlebenskünstler sind die mikroskopischen Bärtierchen (Tardigrada). Bei extremer Trockenheit, Kälte oder im Vakuum des Weltalls verfallen sie in die Kryptobiose. Sie stoppen ihren Stoffwechsel fast vollständig (auf unter 0,01 %). Sie können in diesem Zustand Jahrzehnte überleben, bis ein Tropfen Wasser genügt, um die biochemischen Enzyme sofort wieder zu aktivieren.

Der menschliche Stoffwechsel ist kein fehleranfälliges System, das ständig repariert werden muss. Er ist eine atemberaubende, anpassungsfähige Bio-Nanotechnologie, die sich über Milliarden von Jahren entwickelt hat, um uns in unzähligen Situationen am Leben und gesund zu erhalten.

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Quellen & Publikationen

  • John R. Speakman et al..(2021).Daily energy expenditure through the human life course.Science. DOI: 10.1126/science.abe5017. PMID: 34385400. Grund für Verlinkung: Diese Publikation belegt empirisch, dass der Energieumsatz im mittleren Lebensalter extrem stabil bleibt. Sie entkräftet die in Mythos 1 dargelegte Annahme, dass der Stoffwechsel altersbedingt massiv verlangsamt.
  • Kevin D. Hall, S. B. Heymsfield, J. W. Kemnitz et al..(2012).Energy balance and its components: implications for body weight regulation.The American Journal of Clinical Nutrition. DOI: 10.3945/ajcn.112.036350. PMID: 22434603. Grund für Verlinkung: Diese Studie belegt die in Mythos 2 beschriebene metabolische Adaption. Sie liefert den Beweis, dass der Körper den Energieverbrauch bei Gewichtsverlust zwar leicht senkt, ein echtes Kaloriendefizit aber zwingend zur Abnahme führt.
  • Schwalfenberg, G. K..(2012).The Alkaline Diet: Is There Evidence That an Alkaline pH Diet Benefits Health?.Journal of Environmental and Public Health. DOI: 10.1155/2012/727630. PMID: 22013455. Grund für Verlinkung: Dieser systematische Review stützt die Aussagen im YMYL-Abschnitt (Abschnitt 6) zum Thema Übersäuerung. Die Arbeit belegt, dass der pH-Wert des Blutes durch Puffersysteme strikt reguliert wird und die Ernährung keinen relevanten Einfluss auf eine systemische 'Übersäuerung' hat.
  • G. K. Lijesen, I. Theeuwen, W. J. Assendelft, G. Van Der Wal.(1995).The effect of human chorionic gonadotropin (HCG) in the treatment of obesity by means of the Simeons therapy: a criteria-based meta-analysis.British Journal of Clinical Pharmacology. DOI: 10.1111/j.1365-2125.1995.tb05779.x. PMID: 8527285. Grund für Verlinkung: Diese Meta-Analyse liefert die fehlende wissenschaftliche Evidenz für den YMYL-Abschnitt zur Stoffwechselkur. Sie belegt eindrucksvoll, dass hCG-Gaben keinen über das reine Kaloriendefizit hinausgehenden Effekt auf den Gewichtsverlust oder den Stoffwechsel haben.
  • Stryer, L., Berg, J. M., & Tymoczko, J. L..(2018).Biochemie.Springer Spektrum. ISBN: 9783662546192. Grund für Verlinkung: Diese internationale Referenz wird herangezogen, um die detaillierten enzymatischen Mechanismen der Stoffwechselwege und die Funktionsweise von ATP als zellulärer Energiequelle wissenschaftlich abzusichern.
  • F. Horn.(2021).Biochemie des Menschen: Das Lehrbuch für das Medizinstudium.Thieme. ISBN: 9783132433427. Grund für Verlinkung: Diese Quelle dient als umfassendes Standardwerk zur Erläuterung der biochemischen Grundlagen, insbesondere der zellulären Stoffwechselwege, der Enzymkinetik und des ATP-Gleichgewichts, wie sie in den ersten beiden Abschnitten beschrieben werden.
  • Reece, J. B. et al..(2015).Campbell Biologie.Pearson. ISBN: 9783868942590. Grund für Verlinkung: Dieses Standardwerk stützt die Ausführungen zur Zellatmung, zur Einordnung in globale Energieflüsse und zu ökologischen Extrembeispielen (wie den in Abschnitt 7 erwähnten Überlebensstrategien von Bakterien und Bärtierchen).
  • DGE.(2022).FAQ zu Heilfasten, Detox und Entgiftungsdiäten.Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.. Link . Grund für Verlinkung: Dieser Expertenbericht der DGE untermauert die Einordnung im YMYL-Abschnitt, indem er wissenschaftlich klarstellt, dass es im Körper keine 'Schlacken' gibt und kommerzielle Detox-Kuren keinen belegbaren Nutzen haben.
  • S. Klein et al..(2004).Clinical implications of obesity with specific focus on cardiovascular disease: a statement for professionals from the American Heart Association Council on Nutrition, Physical Activity, and Metabolism.Circulation. DOI: 10.1161/01.CIR.0000145546.97738.1E. PMID: 15509809. Grund für Verlinkung: Diese Leitlinie untermauert die Aussage in Mythos 1 (Abschnitt 5), dass ein schwererer Körper absolut mehr Energie benötigt, da eine größere Körpermasse den physiologischen Grundumsatz erhöht.
  • M. Kieser.(2001).Der Irrtum mit den Schlacken.Der Hautarzt. Grund für Verlinkung: ERROR

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